
Christoph Daum und Fanbeauftragter Rainer Mendel mit dem Fanclub Andersrum rut-wiess.
(obere Reihe: Rainer Mendel, Alex Degeer, Andreas Stiene, Christoph Daum, Jaap Westermann, Susanne Clarenbach – untere Reihe: Oliver Fina, Patrik Maas)
Pressemitteilung
Köln, 1. August 2008
Der erste schwul-lesbische Fanclub des 1. FC Köln ‚Andersrum rut-wiess’ ist erfreut, dass sich Christoph Daum in einem Gespräch am Donnerstag, den 31. Juli deutlich von seinen Äußerungen distanziert hat.
Durch ein Interview von Daum im Rahmen einer im Mai 2008 ausgestrahlten TV-Dokumentation im DSF über Homophobie im Fußball war der Eindruck entstanden, dass er Homosexualität und den Missbrauch von Kindern in
Zusammenhang bringen wollte.
Kindesmissbrauch sei ein allgemeines, zu verurteilendes gesellschaftliches Problem und habe nichts mit der sexuellen
Orientierung zu tun. Es sei nie seine Absicht gewesen, gleichgeschlechtliche Lebensformen als pädophil darzustellen. Hierzu
Fanclubmitglied Oliver Fina: „Der Schutz von Jugendlichen und Kindern vor sexuellem Missbrauch liegt auch uns am Herzen. Dies ist aber kein besonderes Thema in Bezug auf Lesben und Schwule. Wir begrüßen, dass
Christoph Daum keinen Zweifel daran gelassen hat, dass dies auch seine Haltung ist.“
Daum machte unmissverständlich deutlich, dass er diese Äußerungen so hätte nicht abgeben sollen, dies entspräche überhaupt nicht seiner Lebenseinstellung. Er betonte, dass es seine innerste Überzeugung sei, alles für die Integration zu tun. Dazu Susanne Clarenbach von ‚Andersrum rut-wiess’: „Wir sind froh, dass sich Christoph Daum so eindeutig und
aufrichtig von seinen homophoben Aussagen distanziert hat. In einem persönlichen Gespräch konnte er uns glaubhaft darstellen, dass seine Aussagen in keiner Weise homophob gemeint waren.”
Daum ermunterte den Fanclub ‚Andersrum rut-wiess’ mit ihm gemeinsam in Zukunft integrative Aktionen durchzuführen und sich gegen die Homophobie in deutschen Stadien zu wenden. Fanclub-Initiator Andreas Stiene und Mitglied Patrik Maas zeigten sic darüber erfreut: „Wir danken dem Trainer für seine Offenheit, respektieren seine Entschuldigung und haben uns persönlich von seiner offenen und toleranten Einstellung überzeugt. Wir freuen uns, dass er uns künftig bei Aktionen gegen die Diskriminierung von Lesben und Schwulen im Fußball unterstützen will.“
Der Fanclub ‚Andersrum rut-wiess’ wurde am 14. November 2007 gegründet und hat in den ersten acht Monaten seines Bestehens bereits 250 Mitglieder gewinnen können.
« Saisoneröffnung am 3.8. – “Mit dem Ossi-Geißbock gehe ich nicht ins Stadion.” »
[...] Charmeur Christoph Daum die sechs Fanclubvertreter um den Finger gewickelt, diese haben artig eine Pressemitteillung versandt und die Welt scheint wieder in [...]
Pingback: Christoph Daum versöhnt sich mit sechs schwulen Fußballfans « The Gay Dissenter – 03. August 2008 @ 5:31 pm
Schade das Du Das so siehst!
Lieber Mensch ohne Namen aber wichtig klingendem Pseudonym,
ich bin einer der von dir beschriebenen und zitierten, völlig verblödeten und naiven FC-Fußballfans, die Daum mit links um den Finger gewickelt hat.
Mein Name ist Andreas Stiene und ich stehe öffentlich dazu schwul und dennoch nach Fußball verrückt zu sein. Auf dem Gebiet des Fußballs habe ich ehrenamtlich u.a. seit 14 Jahren durch die Organsiation der Benefiz-Fußballevents Come-Together-Cup (in Köln, Essen und Berlin), die Mitorgansiation des “2. Aktionsabends gegen Homophobie im Fußball” (mit DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger), die Mitorganisation der CSD-Gruppe der Queerfootballfans und die Initierung des Fanclubs “Andersrum Rut-Wiess”, gesellschftspolitisch schon einiges in meinem Rahmen und der Unterstützung vieler HelferInnen auf dem Gebiet des Fußballs (mit-)bewegen können.
Aber sicherlich wärst Du dennoch, genauso wie einige andere Vertreter/Innen der schwul-lesbischen Empörundsindustrie, viel besser für dieses Gespräch mit Christoph Daum geeignet gewesen, als ich oder meine ebenfalls Daum-Hypnotisierten Mitstreiter/Innen.
Fein hast Du unsere Ausagen in der Presse und unserer Pressemitteilung seziert und in deinem Sinne analysiert.
Unser Menschenbild ist von umfassendem Respekt geprägt, auch und gerade gegenüber Menschen die Fehler machen (dazu gehöre auch ich immer wieder, Du aber vermutlich eher nicht) und die, wenn auch in diesem Fall mit bedauernswert langer Verzögerung, das Rückgrat haben diese offen und öffentlich -siehe Pressemitteilung!- einzugestehen.
Ich finde es sehr schade, dass Du offenbar gewohnt bist keinerlei Vertrauen in Deine Mitmenschen zu haben (in diesem Fall in uns).
Gehe bitte davon aus, dass uns Christoph Daum nicht mit ein paar netten Geschichtchen aus seinem Leben eingellult und abgespeist hat, sondern wir uns von ihm, völlig im Gegensatz zu Dir, sehr respektvoll behandelt und ernst genommen gefühlt haben.
Hätte er auch nur ansatzweise angefangen sich butterweich raus zu reden, sei gewiss, wären wir aufgestanden und gegangen.
Mit respektvollen Grüßen
Andreas Stiene
Kommentar: Andreas Stiene – 04. August 2008 @ 10:10 am
Da Blogger leider keine Trackbacks unterstützt: hier ein kurzer Kommentar und Hinweis darauf, dass ich einen Link auf Eure Pressemitteilung in meinen Blog-Eintrag über die DSF-Reportage mit eingebaut habe.
Kommentar: Jan – 04. August 2008 @ 6:29 pm
Ist Wordpress, sollte also gehen… So genau kenn ich mich aber auch nicht aus. Danke für den Hinweis
Kommentar: Torsten – 05. August 2008 @ 8:20 am
Eines meiner Steckenperfe ist die Art der Darstellung von Homosexualität in den Medien zu beobachten.
Ich hatte zuerst die Meldung auf Queer.de gelesen. Das war lau. Das hier ist etwas besser. Hinterläßt aber auch noch ein “ungefülltes Loch”, ein mulmiges Gefühl.
Irgendetwas, wo von ihm her klar ersichtlich ist, dass er selbst anerkennt, dass wiederholte Aussagen wie in etwa “Ich habe nichts gegen Homosexuelle, _aber_ ich bin trotzdem für Kinderschutz.” eine schwerwiegende verbale Verknüpfung erzeugen, ein nicht wirklich wirksames Toleranzbeteuerungsritual, das zu Hauf auch von vielen anderen Leuten gegeben wird. Auch vom Papst der dafür ist Homosexuelle nicht in der Ausbildung einzusetzen und Psychiatern, die eine schlechte Vaterbeziehung als Ursache für Homosexualität ansehen.
“Daum machte unmissverständlich deutlich, dass er diese Äußerungen so hätte nicht abgeben sollen, dies entspräche überhaupt nicht seiner Lebenseinstellung.” war die Richtige Richtung. In Zusammenhang mit “Die Interpretation meiner Aussagen war unmöglich.” aus dem Kölner Express wird es wieder relativiert.
Gut, er scheint einen Hang zum Fettnäpfchen zu haben.
Mir bleibt nur blind darauf zu vertrauen, dass es bei euch besser angekommen ist. Zusätzlich vernehme ich positiv, dass er bei Aktionen gegen Homophobie mitmachen will und denke mir, so schlecht kann er nicht sein (denn der Papst würde das nicht tun).
Als eindeutig positiv verbuche ich die größere Resonanz beim 2. Aktionsabend gegen Homophobie im deutschen Fußball und hoffe auf zukünftige gemeinsame Aktionen.
Kommentar: Fg68at – 16. März 2009 @ 6:31 pm
Wenn du mitwirken möchtest, sag Bescheid. Und danke für deinen Beitrag!
Kommentar: Torsten – 25. März 2009 @ 10:52 am